Typo Berlin 2007 – das hat gut geklungen
Die AGD war auf der Berliner Typo mit dem Schwerpunktthema "Music", an der über 1200 Designerinnen und Designer teilnahmen, vielfach vertreten: AGD Kolleginnen und Kollegen besuchten die zahlreichen Veranstaltungen, der Stand der AGD war gut besetzt und stetig frequentiert, Heide Hackenberg co-moderierte auf der Bühne und Lutz Hackenberg gab einen unterhaltsamen Einblick in die Tiefen der Designer-Kunden-Kommunikation.
Die Typo war für die AGD gut. Ein herzliches Dankeschön an die Aktiven vor und hinter dem Stand: Heidrun Abraham, Beatrice Altfeld, Lilli Artmann, Karl Bresser, Jana Faust, Aladdin Jokhosha, Heide Hackenberg, Lutz Hackenberg, Peter Paul Hennicke, Christina Sahr, Jasmin Schneider und Juliane Zielonka. bb
Lutz Hackenberg: „Der Ton macht die Musik“
„Schaffen Sie Gemeinsamkeiten, dann entstehen keine Scheidungen, keine Kriege, kein Krach.“ Lutz Hackenberg, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der AGD, gab auf der Typo Berlin 2007 nicht nur kluge Tipps und Hinweise – er gab auch Anleitungen, wie das Erwünschte zu erreichen sei. Die Zuhörerinnen und Zuhörer sollten am Ende des Kundengesprächs den Namen des Gesprächspartners aussprechen („Auf Wiedersehen, Frau Müller“ – nichts sei für den Kunden angenehmer), heiklen Einwänden mit öffnenden Fragen begegnen („Sicherlich ist das viel Geld. Auf was darf ich denn in Ihrem Fall besonders achten?“) und stets Problemlöser und Wünscheerfüller sein.
Das vor allem junge Publikum hörte Lutz Hackenbergs ent- und gespannt zu. Dem AGD Geschäftsführer gelang es, dass die Zuhörer zu Mitmachern wurden und viel gelacht wurde. „Egal wie es aussieht und wieviel es kostet – seien Sie mit Ihrem Entwurf pünktlich.“ Man solle das Kundengespräch und vor allem die schwierigen Gesprächssituationen als sportliche Herausforderung betrachten – und dabei Spaß und Erfolg haben. Und: Auf die Körpersprache komme es an: 55 Prozent der Kommunikation bestehe aus Mimik, Körpersprache und Gestik, 38 Prozent mache die Stimme aus. „Der erste Eindruck ist entscheidend“, sagte der AGD Geschäftsführer, „und der letzte bleibt.“ bb
Slanted: Die visuellen Moden der Magazine
Slanted wurde 2004 als Typo-Weblog gegründet, hat seitdem an Umfang und Ruhm stetig hinzugewonnen und erscheint inzwischen auch als gedrucktes Magazin. Die Mitbegründer von Slanted, Lars Harmsen und Flo Gaertner, warfen für ihr Publikum auf der Typo 2007 einen Rundumblick auf die aktuelle Magazin-Landschaft, zeigten Looks auf, entschlüsselten Codes und knüpften Verbindungen zu Mode und Musik. Erklärtermaßen subjektiv und sehr unterhaltsam.
In zwölf Kategorien wurden die Magazine unterteilt - Minimalismus, Lifestyle, Kunst, Studentisches, Architektur, Politik & Gesellschaft waren einige von ihnen. Für jede Kategorie zeigten Lars Harmsen und Flo Gaertner Beispiele und unterlegten sie mit Musik. Dem Publikum bot sich ein buntes Kaleidoskop zwischen super-minimalistisch und überbordend, und selbst erfahrene Grafik-Designer und Typografen erlebten die eine oder andere Überraschung.
Doch auch viele Gemeinsamkeiten ließen sich erkennen, ein Einigsein in der Verwendung von Stilelementen und Schriften. Moden verlaufen in Wellenbewegungen – das gilt auch für Typografie. cs
www.slanted.de
Horst Moser: „Who wants yesterday’s papers ... nobody in the world“ ... but me
Das Mick Jagger-Zitat in der Überschrift war Horst Moser Programm: Wie haben sich die Musikzeitschriften verändert? Wie gestalten sie ihre Titel? Kann man die Musik in der Gestaltung spüren? Um gleich die letzte Frage zu beantworten: Nein, Horst Moser fand kaum ein Beispiel, bei dem die Gestaltung, die Typographie, dem Anspruch der Musik genügte. Das Experiment, Musik im Design nachzubilden, sei bisher allein David Carson im Magazin „Ray Gun“ gelungen.
Anderes jedoch wurde mannigfach zelebriert. Zum Beispiel gäbe es unzählige schlechte und gute Kopien des Plattencovers von „Sergeant Peppers Lonely Hearts Club Band“ der Beatles auf Zeitschriftentiteln. Sehr positiv findet Horst Moser Gestaltungen, die das Original zitieren, jedoch etwas Neues hinzufügen. Oder Gestaltungen, die die mangelhaft ausgeführte Urspungsidee zur Perfektion bringt.
Aporpos Perfektion: Die Idee der Zeitschrift „Du“, bei der Ausgabe zu Musik verschiedene parallele Zeitschriftencover zu gestalten und David Bowie insgesamt auf 22 Titeln abzubilden – natürlich jedes Mal mit einem anderem großflächigen Foto – sei genial. David Bowie sei ein so vielschichtiger Künstler, dass es einfach schwer falle, ihn auf ein Bild einzuschränken.
Horst Moser kann man auch lesen: Er ist der Verfasser des Buches „Surprise Me“ über Editorial Design. bb
Armin Reins: „Sag mir, was du hörst, und ich sag dir, wer du bist.“
„In achtzig Jahren werden wir Englisch sprechen – und Deutsch nur noch als zweite Sprache.“ Armin Reins, Texter und unter anderem Verfasser des Buches „Die Mörderfackel“, provoziert gerne. Zur Zeit, so stellte er fest, gäbe es 15 Neue Deutschs. Da werde in SMS-Deutsch gesendet, in Neufünfland-Deutsch nach dem Weg gefragt, im Kulturzirkus-Deutsch fachgesimpelt, im Q11-Lyposom-Deutsch die neue Gesichtsmaske erstanden. Das versammelte Publikum begeisterte er mit zwei Ausflügen in die Tiefen des Neudeutschs: Die Zuhörer lernten – unter strenger Anleitung – etwas Pop-Sülz-Deutsch (eher etwas für junge Frauen) und Testosteron-Deutsch.
Frauen hätten Schwierigkeiten, Testosteron-Deutsch zu hören – es sei eine reine Männersprache: sexistisch, gedankenlos, auf den Punkt kommend. Armins Reins habe jahrelange Feldstudien betreiben müssen, um die diversen Vokabeln zu erlernen, die Unterschiede zwischen einer „Inge“, einer „Uschi“ und „Nattern“ im allgemeinen zu begreifen. Jetzt, so Armin Reins, stelle ihn selbst eine Herausforderung wie „Ich will die Uschi mit auf den Turm nehmen und den Aal wässern“ vor keine unüberwindlichen Hürden mehr – weder beim Verstehen, noch beim Sprechen. Übrigens: „Man muss nicht offiziell Macho sein, um zur Zielgruppe zu gehören.“ bb

