Mahlzeit!
Das Salz in der Suppe
Wettbewerbe bringen für viele Designer Würze in den gestalterischen Alltag – vorausgesetzt, sie sind seriös und die Konditionen sind fair – und Wettbewerb belebt bekanntlich das Geschäft. Vorausgesetzt, die Beteiligten halten sich an ein paar Regeln. Doch das ist leider nicht immer der Fall. Häufig versuchen Veranstalter von Wettbewerben und Ausschreibungen, Designer zur Selbstausbeutung zu verlocken, indem sie Ehre, Ruhm und Folgeaufträge versprechen. Und zweifelhafte Gestalter/-innen verhökern Unprofessionelles zu Dumpingpreisen. Da bleibt dann ein bitterer Nachgeschmack.
Um dem entgegen zu wirken, servieren wir Ihnen parallel die Koch- und Lebensrezepte unseres AGD Kollegen Christhard Landgraf. Nehmen Sie sich in Acht vor versalzenen Suppen, und stärken Sie sich mit Gutem. Wohl bekomm's.
bitter
Nicht im grünen Bereich
G+J Wettbewerb »Grüne Wiese 2009« mit inakzeptablen Bedingungen
von Burkhard Marowski, Leiter Arbeitsgruppe Wettbewerbe im BDG
»Mit einer Idee fängt alles an«. Oh ja! ›Gruner + Jahr‹ hatte eine Idee – eine Idee, wie das Verlagshaus sich kostengünstig einen ganzen Pool an neuen Medienideen erschließen kann. Die Idee von ›Gruner + Jahr‹ heißt: »Grüne Wiese 2009 – G+J Deutschland sucht die Medienidee des Jahres« (http://www.gruenewiese2009.de/?c=). Gesucht werden Konzepte: für neue Magazine, Online-Formate und alle anderen Medienkanäle. G+J stellt in Aussicht, das siegreiche Konzept weiterzuentwickeln und gegebenenfalls an den Markt zu bringen. Was hier alles anfangen kann, für die Teilnehmer und für ›Gruner + Jahr‹ ...
»Mit einer Idee fängt alles an« – so lautet der Titel des Ausschreibungstextes. Und weiter heißt es: »Was wären wir ohne Ideen? Ideen kann man nicht kaufen.« Zumindest bei ›Gruner + Jahr‹ scheint der Ankauf von Ideen in den Rang einer Unmöglichkeit aufgestiegen zu sein und daher nimmt das Verlagshaus die Ideen zur Not auch geschenkt.
Oh, für das siegreiche Konzept gibt es schon einen Preis. Einen! Er beläuft sich auf 10.000 €. Wer wollte sich darüber beklagen, das ist eben das Risiko einer Wettbewerbsteilnahme. Obgleich: Nur ein Preis bei einem Wettbewerb, der von einem der führenden deutschen Verlagshäuser ausgeschrieben wurde ...? Aber sei es drum, auch ›Gruner + Jahr‹ muss sparen. Betroffen sind davon offenbar nicht nur der Personalbestand und die Veranstaltungs-, Spesen- und Reisekosten, sondern auch die Abteilung »Investition in zukunftsweisende Ideen«.
Da Not bekanntlich erfinderisch macht, sichert sich ›Gruner + Jahr‹ mit diesem Wettbewerb nämlich gleich die Rechte an einer Vielzahl neuer Medienideen, und zwar ganz und gar kostenneutral. »Mit der Teilnahme überträgt der Teilnehmer sämtliche Rechte an seiner eingereichten Idee exklusiv, zeitlich, inhaltlich und räumlich unbeschränkt auf G+J.« Das ist eine wahrhaft spektakuläre Idee, nachzulesen in den Teilnahmebedingungen, die im Übrigen nur sporadisch auf der Homepage einzusehen sind.
Insofern erklären wir den Wettbewerb um die beste Idee für beendet, da der Sieger bereits fest steht: The winner is G+J itself.
Der Dialog
Ein wahrer Dialog mit falschen Namen – und Designern zur Nachahmung empfohlen.
Die Anfrage:
Guten Tag Herr Gardemann,
wie soeben am Telefon kurz erläutert, schicke ich Ihnen anbei die Ausschreibung für ein Medien-Designprojekt, das momentan von XXX. geplant wird. Sollten Sie Interesse an der Teilnahme haben, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir eine kurze Antwortmail zukommen lassen würden. Ich schicke Ihnen dann einen Benutzernamen und ein Passwort zu, so dass Sie alle weiteren relevanten Informationen von der Website herunterladen können.
Mit freundlichen Grüßen,
Fabian Fallershausen
Die Aufrechnung:
Hallo Herr Fallershausen,
vielen Dank für die Zusendung Ihrer Ausschreibung.
Wir sind Grafikdesigner und Mitglieder in der AGD.
Wir arbeiten nach einem Tarifvertrag.
Ihr Budget ist für uns nicht geeignet.
In Wahrheit ist es eine Beleidigung unseres Können und unserer Arbeit.
Folgenden Arbeitsaufwand müssen Sie einplanen:
1. Grafisches Design einer Broschüre „XXX“ bei ca. 10 Seiten Inhalt plus Titel: 20 Stunden
2. Erstellung eines interaktiven (ausfüllbaren) PDF-Dokuments: ca. 4 Stunden
3. Überarbeitung des Logos (eps-Datei): 20 Stunden
4. Relaunch einer Website mit CMS (Joomla! 1.5, Drupal etc.) - Konzept/Styleguide/Umsetzung in Drupal (Umfang ca. 10 Seiten zweisprachig): 40 Stunden
Das sind in der Summe 84 Stunden, ca. 10 Arbeitstage.
Bei Ihrem Budget von 500 Euro ergibt sich ein Stundensatz von 5,95 Euro.
Das ist weniger als der Mindestlohn.
Die Nutzungsrechte für die Vermarktung kreativer Arbeit habe ich noch gar nicht berücksichtigt.
Bitte überdenken Sie Ihre Anfrage.
Gerd Gardemann
Die Preisfrage
Hallo Herr Gardemann,
vielen Dank für Ihre Antwort, der ich entnehme, wie viel Zeit Sie für die jeweiligen Schritte veranschlagen. Da ich nicht weiß, wie hoch die Stundensätze des AGD sind und bislang auch nicht wusste, wie viel Zeit Sie veranschlagen, ist mein angebotenes Budget s.z.s als erster Versuch zu verstehen. Da ich die Möglichkeit habe, die Realisierung der Website anderweitig zu vergeben, stellt sich die Frage, ob Sie Interesse hätten, nur die Punkte 1 – 3 zu übernehmen. Nach Ihrer Kalkulation käme ich dafür auf 44 Arbeitsstunden.
Falls Sie Interesse an diesem Projekt haben sollten, könnten Sie mir einen Preis nennen, zu dem Sie bereit wären, das Projekt zu übernehmen?
Besten Dank im voraus.
Mit freundlichen Grüßen,
Fabian Fallershausen
Die klare Antwort
Hallo Herr Fallershausen,
der Stundensatz beträgt bei uns 76 Euro.
Mit besten Grüßen
Gerd Gardemann
Die Mutmaßung
Hallo Herr Gardemann,
wenn Sie meinen, sich mit diesem Stundensatz in einer realen Welt zu bewegen, müssen Sie entweder sehr begabte Verkäufer oder ahnungslose Kunden haben.
Wenn beides der Fall sein sollte, kann ich Sie nur beglückwünschen.
Mit bestem Gruss,
Fabian Fallershausen
Die Richtigstellung
Hallo Herr Fallershausen,
es trifft beides nicht zu.
Weder sind wir geniale Verkäufer, noch haben wir ahnungslose Kunden.
Wir sind nur ausgezeichnete Grafikdesigner mit mehr als 20-jähriger Berufserfahrung.
Unsere Kunden schätzen an uns:
- Zuverlässigkeit
- Professionalität
- Service
- Flexibilität
- und nicht zuletzt Kreativität.
Deshalb arbeiten unsere Kunden langfristig mit uns zusammen und vertrauen uns. Vor allem kleine und mittelständige Unternehmen nutzen unserer Arbeit, um ihr Unternehmen, ihre Dienstleistungen oder Produkte erfolgreich zu machen.
Im Übrigen: "Wollen Sie nach Japan fliegen, gehen Sie auch nicht in ein Fahrradgeschäft, sondern zu einer Airline."
Guten Tag.
Gerd Gardemann
Hier endet der Dialog. Besser ein Dialog mit Ende...
Schlechte Geobasis
Obwohl AGD Designer und andere ehrliche, vielleicht auch schlichte Gemüter der Meinung sind, dass die öffentliche Hand eine besondere Verantwortung für ethisches und ehrliches geschäftliches Miteinander haben müsste, erreichen uns regelmäßig mehr Klagen als lobende Erwähnungen. Jüngstes Beispiel: Die "Wettbewerbsausschreibung zur Findung eines Signets/Logos für das neu entstehende Landesamt für Geobasisinformation und Landentwicklung Baden- Württemberg".
Dem umfänglichen Titel entspricht ein ebensolches Aufgabengebiet und so ist die Entwicklung eines Signets eine gleichermaßen sinnreiche wie komplexe Angelegenheit. Betraut werden damit in dieser Ausschreibung "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ... und interessierte Dritte". Die Anforderungen sind ausführlich beschrieben, ebenso die Einreichungsmodalitäten. Zum Beispiel ist einzureichen: "Darstellung des farbigen Logos auf farbigem DIN A4-Karton (4C-Druck Euroscala, 12 % Skalengelb); 10 cm x 10 cm in Reinzeichnungsqualität". Welcher Mitarbeiter das wohl versteht?
Was ihn oder sie erwartet, ist aber jedenfalls klar: 500,- Euro im Falle eines zweiten oder dritten Platzes, 1000,- Euro für den Fall des Sieges – und dazu den Verlust sämtlicher Eigentums- und Nutzungsrechte.
Bevor es dazu kommt, müssen sich die Mitarbeiter-Entwürfe jedoch mit denen von drei Grafikdesignern messen, die ebenfalls per Wettbewerb ermittelt wurden. Das Auswahlverfahren – allein für die Mitarbeiter-Logos – erfolgt in sage und schreibe drei Stufen.
So werden an der Geobasis zahllose Arbeitsstunden in den Sand gesetzt – die von Grafikdesignern ebenso wie die der Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und interessierten Dritten sowie der Juroren. Zu gewinnen gibt es so gut wie nichts, selbst den drei Best-Platzierten werden die Euros ohne Nutzungsrechte schnell durch die Finger rinnen.
Dabei klingt doch Geobasis so solide.
StickDeLuxe: Luxus schaffen für lau
"Weltpremiere: der erste Designwettbewerb für stylische USB-Sticks." Und in der Tat: Auf so einen Wettbewerb hat die Welt gewartet. Gestaltet werden sollen Clips, mit denen man oder frau den unentbehrlichen Begleiter USB-Stick ans Rever oder ins Dekolleté heften kann. Der Plan: "Designer fertigen ausgefallene Einzelstücke und limitierte Kleinauflagen, so entsteht exklusive Mode mit willkommenem Zusatznutzen." Und wer sind diese Designer? "Jeder kann am Wettbewerb teilnehmen." Minderjährige allerdings nur mit Zustimmung der Eltern. Die ersten 25. Bewerber im August sind dabei.
Dann wird irgendwann entschieden. Wann, das verrät die Website nicht. Auch nicht, wer die Jury bildet und was mit den eingesandten Entwürfen passiert. Die "attraktiven Preise" für die ersten Drei sind: eine TEAC Multi-Function Photo Bank, ein TEAC MP3/MP4 Video Player und TEAC MP3 Video Player mit Touchscreen. Zusätzlich werden die Gewinner auf der Website präsentiert. Traut sich noch jemand, nach Nutzungsrechten zu fragen?
Verantwortlich laut Impressum ist übrigens eine pro-future.biz. unter der Geschäftsführung von Mark von Fritschen. Herr von Fritschen, die Zukunft wünschen wir uns anders. cs
Oh weh: die erste Wahl
Am 7. Juni 2009 ist Europawahl. Und um auch die Erstwähler an die Urne zu locken, hat sich das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung etwas ausgedacht: "Wählen gehen und mitgestalten. Für 3,5 Millionen Erstwähler ein neues und spannendes Gefühl. Euer Plakat könnte bei der Europawahl 2009 Teil der offiziellen Kampagne werden. Nutzt eure Chance und gründet ein Team. Mit kreativen Ideen und etwas Glück gewinnt Ihr im März 2009 eine Reise nach Berlin!"
Das ist hübsch – außer vielleicht für Berliner. Und die potenziellen Plakatgestalter lernen rechtzeitig mit Erreichen der Volljährigkeit, dass kreative Arbeit Spaß machen darf, aber kein Geld bringt. Damit sind sie gut vorbereitet auf ihre Zukunft als "Generation Praktikum".
Wenn sie klug genug sind, das Kleingedruckte zu lesen, lernen die jungen Wähler auch, dass sie mit ihrem Entwurf zugleich sämtliche Rechte abgeben. Denn in den Teilnahmebedingungen zu "Schöner wählen" steht: "Mit der Einsendung von Wettbewerbsbeiträgen werden alle Rechte für eine Veröffentlichung an den Organisator übertragen. Der Organisator ist berechtigt, die Plakate frei zu verwenden, zu veröffentlichen, zu vervielfältigen und zu verändern."
Liebes Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, die mündigen Bürger von morgen haben andere Botschaften verdient. cs
Ein Jahr freie Post!
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Ab die Post: die besten Ideen frei Haus
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Extrem großzügig
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Ehre und Karriere?
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Ein Logo-Versuchs-Projekt
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Was für ein Wurf!
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Gleichzeitige Miterregung
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Gemischter Müll!
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Designförderung in Eigenregie?
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Sechs Gründe …
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Daneben gesetzt: Der Wettbewerb s.i.t
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- Dazu: Designer – eine Spezies mit unermüdlichem Hang zur Selbstzerstörung?
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En garde! Die Folge
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Dumping im Westerwald
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Abgerutscht! Galaxy Erding sucht das Glück bei kreativen Kindern
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Ein Schwein kommt selten allein
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Die Internet-Arbeitsgruppe Malsch
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Der Beck’s it Wettbewerb verstößt gegen das Reinheitsgebot
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Manche Wasser fallen tief. Eine Nachlese
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En garde!
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Schiffbruch erlitten: der Wettbewerb der Deutschen Challenge
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Teuer: der "Designpreis der BRD"
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Heiße Luft
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Susy Card? Geschenkt!
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Webdesign für Heimwerker
Logo gegen Heringsdosen
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Sofort kaufen: Logo DeLuxe für 35 Euro
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Auch Ihnen ist kürzlich eine bittere Wahrheit begegnet? Machen Sie Ihrem Herzen Luft, und informieren Sie die AGD Redaktion über das Ereignis.
lecker
Vorbereitung ist alles
Jetzt, am Ende des Jahres, sollte man die Weichen schon fürs neue stellen. Leichter gesagt als getan? Nö – einfach an die Kunden und Partner denken, mit denen man schon im Geschäft ist oder war. Das ist immer eine sichere Bank.
Weihnachtskarten verschicken kann ein probates Mittel sein. Allerdings sind wir kreative Köpfe, sollte es da nicht etwas mehr sein? Etwas Besonderes, das vielleicht auch nichts mit der Arbeit (Drucksachen etc.) zu tun hat?
Liebe Frau …,
wir haben im letzten Jahr sehr erfolgreich zusammen gearbeitet. …
… Ich würde Sie im neuen Jahr gern zu einem Besuch in der Ausstellung "Kult des Künstlers: Das Universum Klee" in die Neue Nationalgalerie einladen.
Um diese phantastische Ausstellung richtig genießen zu können, würde ich am… eine Führung organisieren und dazu weitere Kunden einladen.
Ich verbleibe mit den besten Grüßen für …
Ihr kreativer Kopf …
Es gibt bestimmt in anderen Teilen der Welt auch schöne Ausstellungen oder Veranstaltungen.
Wenn für einen Besuch keine Gelegenheit ist, hab ich einen anderen Tipp.
Zwei Leckereien aus der arabischen Welt, leicht und schnell hingezaubert, persönlich vorbei gebracht oder, wenn es zu weit ist, geschickt:
Aprikosen-Walnuss-Pralinen: 400 g getrocknete Aprikosen und 100 g Walnusskerne ganz fein hacken oder noch besser durch die feinste Scheibe des Fleischwolfs drehen. Mit einer Prise Zimt und etwas Aprikosenlikör (Vorsicht: süß!) oder Weinbrand (für den Herren) gut verkneten, zu Kugeln formen und anschließend durch Kokosflocken wälzen. Fertig!
Oder das etwas zeitaufwendigere Sesamkrokant: 100 g ungeschälte Sesamkörner in einer trockenen Pfanne rösten, bis die Körner anfangen aus der Pfanne zu springen. Zwei Esslöffel Honig darunter rühren und sofort runter von Feuer! Auf einem flachen Teller die Masse dünn ausstreichen. Im Kühlschrank etwa eine Stunde fest werden lassen. Danach kann man den Krokant mit einem Messer in Stücke schneiden. Wer es noch etwas feiner haben will, taucht die Krokantstücke in im Wasserbad verflüssigte Schokolade und lässt sie auf Backpapier fest werden.
Und wenn man gleich mehr davon macht, kann auch die Geliebte oder der Geliebte etwas davon ab haben.
Ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start dank bester Vorbereitung ins neue Jahr wünscht Euch Christhard "Otto" Landgraf
Wer kennt das nicht?
Schwitzen. Toilettendrang. Händezittern. Vollkommene Leere.
Lampenfieber!
Da kann man machen, was man will, bei Präsentationen hat man Lampenfieber. Und nur, weil man unbedingt perfekt sein will, weil man jedes Mal ein Risiko eingeht.
Was wäre, wenn wir nicht perfekt sein und immer Neues ausprobieren wollten?
Stillstand und Langeweile. Wer will das schon?
Damit ist jede Präsentation schön schrecklich. Die Gelegenheit, Neues zu zeigen, versuchen, zu überzeugen und zu begeistern, hat man nicht oft. Darum sollte man sie nutzen.
Zur Beruhigung: Auch das Publikum kennt Lampenfieber. Also, was soll's. Dreht es dir daraus einen Strick, sei froh. Es würde auch jede andere Gelegenheit suchen und nutzen, dir das Leben schwer zu machen. Und wer will schon unter solchen Umständen arbeiten?
Scheitern gehört zum Handwerk und sollte eingeplant sein. Ist man überzeugt von seinem Tun, hat man sogar ein gutes Gefühl dabei.
Einen Tipp gegen Lampenfieber kann ich Euch nicht geben. Ich zum Beispiel lebe damit.
Für die kommenden kalten, dunklen und trüben Tage habe ich aber etwas: Ananastee. Er kommt aus China und lässt dank einer gehörigen Packung Vitamine kein Trübsal aufkommen.
Und so geht's: 500 g frische Ananasstücke mit 300 ml kaltem Wasser im Mixer pürieren. Mit dem Saft von vier Orangen, etwas abgeriebener Zitronenschale, einer Stange Zimt, einer Nelke und 2-3 Esslöffeln Honig in einem Topf auf dem Herd erhitzen. Vorsicht, nicht kochen sonst sind die Vitamine weg.
Kopf hoch. Euer Christhard "Otto" Landgraf
Foto: Gerd Altmann(geralt)/pixelio.de
Sind Radfahrer die besseren ehemaligen DDR-Bürger?
Dank Sachsenring, Wartburg und Co. gab es bei der Motorisierung der Kraftfahrzeuge in der ehemaligen DDR durchaus große Unterschiede. Wen verwundert's, dass das Fahren dieser Kraftfahrzeuge auch dem Messen der finanziellen Kräfte auf der Straße diente. Die Fortsetzung sehe ich zurzeit unter den Fahrradfahrern in der Stadt – und bin ratlos: Ich habe keine Ahnung, was die Kollegen treibt, die Vorfahrt zu nehmen, bei Rot über die Ampel zu donnern, zu drängeln, zu schubsen, und damit ist die Liste der Rüpeleien noch lange nicht zu Ende. Olympische Wettkämpfe auf unseren Straßen? Hier galt doch: Dabei sein ist alles. Doch heute ist das Siegen das Wichtigste. Und wo bleiben die Doping-Kontrollen?
Jede Ankündigung steigender Benzinpreise oder Streiks bei den Beschäftigten des ÖNVP treibt mir, der ich weder Auto besitze noch Bus fahre, den Angstschweiß auf die Stirn. Wieder werden Tausende im Grunde normaler Menschen auf das Fahrrad gedrängt, wo sie zu bedenkenlosen Verkehrsrowdies mutieren.
Das aber war nicht der Grund, warum ich meine geliebte Stadt verlassen habe. Ich wollte Urlaub machen, Euch neue Rezepte mitbringen und mal richtig ausspannen.
Entspannt habe ich, aber mit den Rezepten hat es nicht geklappt. Die Speisekarten der Gastwirtschaften auf unserer Tour (>>) waren über die ca. 1000 km eher identisch. Dafür gab es beim Bier regionale Angebote. Herausragend dabei war Einbeck in Niedersachsen. So ein Bier hatte ich schon lange nicht mehr getrunken – und das noch vor der wunderbaren Kulisse des Marktplatzes.
Aber die Freude war kurz: Beim Verlassen von Einbeck radelten wir an der KWS SAAT AG (>>) vorbei. Eine Firma, die grüne Gentechnik betreibt, von der Werbeagentur LIGALUX (>>) betreut wird, welche die Leadagentur von Greenpeace (>>) ist.
Prost Mahlzeit! Das nenn´ ich Doping, Frau Behrens und Herr Hipp!
Wenn wir schon so weit sind, kann ich nur noch sagen: ALDI Pastini Spaghetti-Gericht (>>) zu 60 oder 70 Cent inkl. Tomatensauce und innerhalb von rund 10 Minuten essfertig.
Alles andere als lecker.
Mit besten Grüßen aus dem Arbeitsleben Euer Christhard "Otto" Landgraf
Foto/Ausschnitt: Maiha / pixelio.de
Berliner Visionen
Ein Bürgerbegehren fordert den freien Zugang zur Spree. Ein Ingenieur will mit seiner Erfindung bis 2011 die Spree zum Badegewässer klären. >>
Gute Nachrichten!
Am 45 km langen Spreestrand ist viel Platz für Badefreunde aus aller Welt. Mallorca und die Ostseeküste werden veröden, denn mittags in der Spree baden und abends ins Theater, ins Museum oder in die Diskothek – das ist wohl einmalig.
Und was bedeutet das für uns? Wir Designer sind mitten drin. Mode- und Textildesigner schwenken um auf Bade- und Stadtstrandmode. Grafikdesigner entwerfen ein neues Stadtwappen und ein Schwimmleitsystem. Produktdesigner entwickeln neue Liegestühle, Taucherbrillen und Unterwassertrinkgläser.
Berlin wird als erste Kultur-, Design-* und Bade-Hauptstadt der Welt in die Analen der Geschichte eingehen.
Bevor es so weit ist, müssen die Berliner noch bärenstarke Nerven beweisen und die Kampagne des Senats "be Berlin" ertragen. Tief einatmen.
Dafür hat man ja Berliner Luft. Es gibt auch ein Dessert mit diesem schönen Namen.
Drei Eigelb mit 125 g Zucker schaumig schlagen und den Saft einer Zitrone dazu geben. Vier Blatt Gelatine kurz quellen lassen und danach ausdrücken.
In 250 ml warmen Apfelsaft die Gelatine komplett auflösen und danach langsam unter die Ei-Zucker-Zitronenmasse ziehen. Alles kaltstellen bis die Masse kurz vor dem Festwerden ist. Das zurückgebliebene Eiweiß mit Vanillinzucker steif schlagen und drunter heben. Portionsweise in Glasschalen füllen, kalt stellen und fest werden lassen. Mit Löffelbiskuit und geschlagener Sahne verzieren und schon hat man "Berliner Luft".
Mit besten Grüßen aus Berlin
Euer Christhard "Otto" Landgraf
* Die UNESCO hat die Hauptstadt als "Stadt des Designs" geehrt. Damit gehört Berlin zum weltweiten Netzwerk der "Creative Cities". >>
Collage Berlin Partner/United Buddy Bears/Taucherbrille: Christhard Landgraf
Akquisition
Wie ihr wisst, lese ich nur zwei designrelevante Zeitschriften: PAGE und print. Die 07er Ausgabe der PAGE stand im Zeichen der Auftragsakquisition. Lange lag diese Ausgabe ungelesen bei mir herum. Da waren wohl Hemmungen im Spiel. Muss ich vielleicht mein Leben ändern, um an neue Aufträge zu kommen? Endlich siegte die Neugier. Doch nach der Lektüre war ich so schlau wie zuvor.
Dann kam unser zappo-Sommerfest. Im Gespräch wurde ich gefragt, wie viel Zeit ich in der Woche für Akquisition aufwende. "Ehrlich? Keine.“ „… ?“ „Aber wir machen jedes Jahr ein Sommerfest; laden Kunden, auch ehemalige, Kollegen, Partner (manche sagen Dienstleister) und Freunde ein. Und das klappt!“ Das schafft Vertrauen, zum Beispiel, wenn man einem Kunden den Chef der Druckerei vorstellt, bei dem viele Sachen von ihm produziert werden. Außerdem kann mal über etwas anderes als Arbeit geredet werden. Und messbar ist es auch: Jedes Sommerfest hat zu echten, neuen Aufträgen geführt.
Als Rezept (das kommt unten) will ich das nicht verstanden wissen. Sondern als Anregung. Die beste Akquisition, und das stand nicht in der PAGE, sind gute Arbeit und zufriedene Kunden. Da wir nicht so gut sind, brauchen wir das Fest, um unsere Kunden wieder auszusöhnen.
Darum haben wir zum Sommerfest für alle etwas auf den Grill gelegt. Steaks für die Unverbesserlichen, Grilltaschen für die Vegetarier und Makrelenspieße für die Neugierigen. Am Buffet gab es neben Obazda, Graved Lachs und anderem Selbstgemachtem eine Makrelenmousse.
Dazu braucht man geräucherte Makrele, Frischkäse, Limetten und Schnittlauch. Die Mousse kann sehr gut vorbereitet werden. Von dem geräucherten Fisch entfernt man alle nicht essbaren Teile. Mit Limettenabrieb, Limettensaft, Frischkäse (ein Viertel vom Fischgewicht) und Cayennepfeffer vermischen und mit dem Pürierstab zu einer Mousse verarbeiten. Den Schnittlauch in Röllchen schneiden, unter heben und das Ganze gekühlt servieren. Für Sommerfeste reicht es, in einer Schale zu servieren – mit etwas Schnittlauch und Cherrytomaten. Für das Abendmenü stechen wir mit dem Löffel Nockerln ab und reichen dazu einen Salat aus Feldsalat mit dünnen Radieschenscheiben. Man kann auch mit frischem Meerrettich und Backpflaumen garnieren. Und ruhig etwas mehr machen. Die Mousse hält sich einige Tage gekühlt.
Mit besten Grüßen
Euer Christhard "Otto" Landgraf
PS: Die 08er Ausgabe der PAGE beschäftigt sich mit alten Leuten in der Kreativwirtschaft. Ich glaub, ich brauch ne neue Zeitschrift.
Illustration: "Das mit der Brühe, machte Mühe …" Norbert Egdorf aus Oldenburg
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