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Ökologie & Design

Papier & Druck

Blauer Engel geht vor

Es ist weiß, es ist hochwertig, es ist vielseitig einsetzbar – und es ist Recyclingpapier. Das Stigma, Umweltpapier müsse wohl grau sein, ist widerlegt. Envirotop zum Beispiel ist ein hochweißes Papier mit Blauem Engel. So manche Broschüre ist auf Cyclus Coat oder RecyMago gedruckt und es fällt niemanden mehr auf. Das LTU Magazin wurde zu Demonstrations- und Studienzwecken in einer Teil-Auflage auf einem Frischfaserpapier und in einer weiteren Auflage auf einem ökologischen Papier produziert: Die in die Ferien entschwindenden Passagiere bewerteten beide Zeitschriften als gleichwertig. Nach einem Umwelt-Tief  in den 90er Jahren, nach Wellness- und Bio-Hype scheinen sich viele Unternehmen, die Politik und Teile der Öffentlichkeit wieder auf ökologisches Verhalten und Wirtschaften zu besinnen.

Das Angebot wächst

Die relativ geringe Nachfrage in den 90er Jahren verringerte auch das Papierangebot. Erst jüngst ist die Papiersorte Revolve Silk / Salaplexx der Papierfabrik Salach Papier vom Markt verschwunden. Salach Papier musste Ende Februar 2006 Insolvenz anmelden; und dass, obwohl Revolve Silk von der Bundesregierung für ihr Corporate Design eine der Empfehlungen ist (neben Envirotop, RecyMago / Cyclus Coat und Resaoffset).

Dennoch steigt derzeit die Zahl der Umweltpapiere. Eine relativ neue Möglichkeit, ökologisch zu produzieren, ist es, Papiere mit dem FSC-Label zu benutzen. FSC steht für Forest Stewardship Council und ist ein weltweites Zeichen für eine ökologische und sozial verantwortliche Nutzung der Wälder. Gegen den Kahlschlag und für eine nachhaltige Forstwirtschaft will FSC Zeichen setzen. Sozial ist das FSC-Label, weil die Arbeitsbedingungen in den zertifizierten Wäldern kontrolliert werden und zum Beispiel Arbeitssicherheit, die in der Holzproduktion weltweit zum Teil sträflich vernachlässigt wird, ein Muss für die Beschäftigten der FSC-zertifizierten Forstwirtschaft ist.

Ulrich Malessa, Sprecher von FSC Deutschland e.V. brachte beim Fachgespräch "Ökologie und (Print-)Design", das die Berliner Regionalgruppe der AGD Mitte November veranstaltete, einen weiteren Aspekt ins Gespräch: Bei den weltweiten Holz- und Faserstoffströmen hätten es Verarbeiter und Händler oftmals schwer, den Ursprung der Zellfasern einwandfrei festzustellen. Große Teile der Holzgewinnung geschehen illegal. Bei FSC werde der Wald selbst zertifiziert – die weiterverarbeitenden Betriebe und die Anwender können sicher sein, legale Fasern und legales Papier benutzen.

Auf deutliche Nachteile der FSC-Papiere wies Traute Fiedler vom Umweltbundesamt hin: Besser als frische Fasern zu bedrucken sei es, mit recycelten Material zu arbeiten. Jede Menge Wald, Energie und Wasser würden bei der Herstellung von Recyclingpapieren im Gegensatz zum Frischfaser-Papier eingespart. Kritisch bewertete sie, dass die Weiterverarbeitung der Fasern durch FSC nicht kontrolliert werden; so stamme zwar der Zellstoff bei FSC aus nachhaltiger Forstwirtschaft, doch könnten bei der Papierherstellung umweltschädliche Chemikalien eingesetzt werden, die alles andere als ökologisch seien. Auch könne eine Papierfabrik energie- und wasserintensiv arbeiten und dennoch ein FSC-Papier produzieren. Traute Fiedler empfiehlt jedem Designer daher als erste Wahl Papier, das mit einem "Blauen Engel" ausgezeichnet ist.

Was tun als Designer?

Es gilt, was immer gelten sollte: Für jeden Auftrag und jeden Zweck muss das individuell passende Papier gefunden werden. Es sind hochwertige Umweltpapiere auf dem Markt – der Umweltengel ist eine gute Richtlinie. Muss unbedingt Frischfaser eingesetzt werden, lohnt es sich, die Palette der FSC-Papiere zu prüfen. Martina Fuchs-Buschbeck, Vorstand der Berliner Druckerei Oktoberdruck: Sie empfehlen ihren Kunden in erster Linie Papier mit dem Blauen Engel; ökologischer könne Papier nicht sein. Dennoch war das Berliner AGD Fachgespräch Anlass für Oktoberdruck, jetzt eine FSC-Zertifizierung anzustreben. Warum auch Druckereien FSC-zertifiziert sein müssen und wann das FSC-Signet auf Drucksachen aufgebracht werden darf, lesen Sie hier.

Ein Manko muss noch angesprochen werden: Es ist für Designer recht schwer, sich einen Überblick über die verschiedenen Papiere mit Blauem Engel und FSC-Label zu verschaffen. Jeder Papiergroßhandel bietet einige Sorten Recyclingpapier an, auch die FSC-Papiere müssten einzeln erfragt werden. Findige Dienstleister wie die Druckereien Lokay und Oktoberdruck sind dabei, Musterbücher zu erstellen. Eine einfach zu nutzende Datenbank für ökologische Papiere wäre ein großartiger Service. Zur Zeit arbeitet die Initiative Pro Recyclingpapier an einem Internet-Tool; die Beta-Version funktioniert jedoch noch nicht zufriedenstellend.

weiterführende Links:

Informationen zum Blauen Engel, Katalog der zertifizierten Produkte
www.blauer-engel.de

Initiative Pro Recyclingpapier
www.initiative-papier.de

FSC Deutschland e.V.
www.fsc-deutschland.org