BEDA tagt in Berlin
Designpolitik für Europa
Vom 22. bis zum 25. März war die Hauptstadt Brennpunkt europäischer Designpolitik: BEDA, das Bureau of European Design Associations mit Sitz in Barcelona, veranstaltet seine Mitgliederversammlung in Berlin. Gastgeber waren die Allianz deutscher Designer (AGD) und der Verband Deutscher Industrie Designer (VDID). Im Jahr der deutschen EU-Ratspräsidentschaft nahmen mehr als 40 hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Designwirtschaft aus 22 europäischen Staaten an der Mitgliederversammlung teil. Staatssekretär Volkmar Strauch begrüßte die BEDA-Mitglieder in Vertretung des Berliner Wirtschaftssenators in der UNESCO "Stadt des Designs".
"Wir sind überzeugt, mit Design und den anderen Kreativindustrien einen großen Beitrag zur zukünftigen wirtschaftlichen Prosperität der Europäischen Union leisten zu können", sagt Jürgen Grothues, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AGD. Er fährt fort: "Wer in Europa über Design spricht, muss mit BEDA sprechen." Und BEDA tagte in Berlin.
Auch die Europäische Kommission hat die BEDA-Tagung und das Potenzial der Kreativwirtschaft wahrgenommen: Seine Exzellenz Dr. Gerhard Sabathil, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland (er wäre gerne auch persönlich gekommen) unterstützte die BEDA-Veranstaltung durch den Besuch seiner engsten Mitarbeiterin Adele Bendall.
Ziel von BEDA ist es, eine langfristige Designpolitik für Europa zu entwickeln und zu implementieren, die die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft auf dem Weltmarkt stärken soll. BEDA fördert europäische Netzwerke, bündelt Diskussionen und bringt seine Kompetenz in den Institutionen der EU ein (www.beda.org).
Eindrücke vor Ort
Am Freitag, den 23. März, trafen sich die BEDA Vorstands-Mitglieder zu einer internen Sitzung im ehemaligen Postfuhramt in Berlin Mitte. Ein passender Ort für diesen Anlass, denn das Gebäude beherbergt wechselnde Foto-, Kunst- und Designausstellungen. Beim abendlichen "Welcome Dinner" im "Cum Laude" Restaurant der Humboldt Universität bot sich erneut die Gelegenheit zum europäischen Gedankenaustausch.
Der Italiener Massimo Pitis, am Freitag noch amtierender Präsident des BEDA, betonte in seiner Ansprache, dass besonders die kulturelle Vielfalt den Reiz des europäischen Designs ausmache. Jedes Land habe seine Besonderheiten, sein Alleinstellungsmerkmal, das sich auch im Design widerspiegele.
Bei Lachsfilet auf Blattspinat und einem guten Glas Wein oder erfrischendem Wasser, erörterten die BEDA Mitglieder die Gepflogenheiten ihres Landes im Vergleich zu denen ihres Tischnachbarn. Neben Jürgen Grothues nutzten die AGD Vorstandsmitglieder Peter Paul Hennicke, Dr. Aladdin Jokhosha und Gisela Sonderhüsken die Gelegenheit, um Kontakte für die Allianz deutscher Designer zu internationalen Verbänden zu vertiefen.
Staatssekretär Volkmar Strauch betonte in seiner Rede die Wirtschaftskraft von Design. In Zeiten des Informationsüberflusses, in der Konsumenten permanent visuellen Reizen ausgesetzt sind, bedarf es der Kreativiät von Designern, maßgeschneiderte Kommunikationslösungen zu entwickeln, die auf das Tempo eines jeden einzelnen zugeschnitten sind. Nur so gelingt ein nachhaltiger Informationsaustausch.
Der Kanadier Blair Enns nahm Anstoß an Unarten der Designbranche. Es sei zum Teil eine schreckliche Selbstverständlichkeit bei Agenturen und Designern, umsonst zu pitchen. Ideen zu verschenken – das kostbarste Gut und die bare Münze des Kreativen – sei der Anfang vom Ende. Enns begründete diese Unart damit, dass das Präsentieren vor dem Kunden an sich den Kreativen so viel Spaß mache, dass sie es sogar umsonst täten. Die Ungewissheit beim Kunden, bevor präsentiert wird, die Begeisterung für die kreative visuelle Lösung – all das führe zu einem so großen Adrenalin-Kick, dass man dafür sogar seine Ideen verschenke. Ein ernstes Thema, satirisch verpackt.
In Berlin standen neben der Wahl des neuen BEDA-Präsidenten (Herzlichen Glückwunsch an Michael Thomson!) und -Vize-Präsidenten (Herzlichen Glückwunsch an Jan Stavik!) unter anderem eine Reihe von Berichten zur Designwirtschaft aus den Niederlanden, Estland, Frankreich und Spanien auf dem Programm. Botschaftsvertreter waren ebenso eingeladen wie Mitglieder des Europäischen Parlaments. Aus Sicht der deutschen Hauptstadt thematisierten Diskussionsbeiträge von Staatssekretär Volkmar Strauch (Senatsverwaltung für Wirtschaft), Dr. Silke Claus (Internationales Design Zentrum Berlin IDZ) und Alexander Bretz (Create
Berlin e.V.) Berlin als UNESCO „Stadt des Designs“.
Zum Abschluss der Tagung besuchten die BEDA-Mitglieder am 25. März 2007, dem 50. Jahrestag der Römischen Verträge und der Geburtsstunde der EU, das
Berliner Bauhaus-Archiv und trafen sich anschließend in Internationalen
Club im Auswärtigen Amt zum abschließenden Gedankenaustausch.


